QVINTVS

Dies sind die Schritte meines ersten Scutums und meines ersten Schildes überhaupt. Unter Anleitung unseres Doctore Murmillo war dieser Schild ein erster, grosser Erfolg für mich. 

Zeitgleich war dieser Schild auch ein hervorragender Lehrer. Viele Dinge, die ich hier noch falsch oder ineffizient mache, sind bei Scutum II schon korrigiert und optimiert.  

In den folgenden Galerien gehe ich die einzelnen Schritte durch. (Ohne anspruch auf Vollständigkeit, wobei ich bei diesem ersten Schild versucht habe alles so haarklein wie nur möglich zu dokumentieren.)

Der erste Rohling.

Zu sagen, dass ich überfodert war, wird der Sitation nicht gerecht, in der ich mich zu diesem Zeitpunkt wiederfand.

Mit der Schildpresse der Gladiatorenschule, einem Eimer Leim und dem hölzernen Rohmaterial ging es los. 
Werkzeug habe ich an dieser Stelle erstaunlich wenig benötigt, wenn man die riesige Schildpresse einmal kurz ignoriert. Ein paaar Transportgurte mit Ratschen haben schon ausgereicht, um die Platten ausreichend fest aufeinander zu pressen. 

Die Probleme liessen natürlich nicht lange auf sich warten. Wie viel Leim braucht ein Quadratmeter Holzplatten, damit die ordentlich halten, aber der Leimverlust sich in Grenzen hält? Reicht der Anpressdruck wirklich? Sollte ich nicht lieber mehr Transportgurte verwenden? 

Es lief also wie es kommen musste. In Strömen lief der Leim zu allen Seiten aus dem Schild-Sandwich heraus. Immerhin also ausreichend Leim benutzt.

Vier Ratschen waren an der Stelle annehmbar, da die Schildpresse auch nur vier Rippen besitzt. Also eine pro Rippe und den Rest mit ratschenlosen Transportgurten gesichert. Beim festzurren fiel das nächste Problem auf: Wellen. Dort, wo das Material mit den Gurten festgezogen wurde, haen sich sichtbare Wellen im Material gebildet. Das wird bei Scutum 2 auf jeden Fall adressiert werden müssen. 

Aber vorerst ist der Rohling beleimt und eingespannt. Jetzt hiess es warten. Zwei Wochen lang, um auf Nummer sicher zu gehen.

Der eigentlich spannendste Moment des ganzen Schildbaus, das Lösen des Schildes von der Presse, verlief erstaunlich ereignislos. Als die Transportgurte gelöst waren, blieb der Schild an Ort und Stelle. Kein Krazen, kein Knicken, keine Bewegung. Nachdem ein paar Leim-Reste entfernt waren, hatte ich mein erstes Roh-Scutum in der Hand.

Die Ecken wurden noch abgerundet und ein ordentlich dimensioniertes Loch für den Griff gesägt. Hierfür hatte ich mir extra ein Mutlitool besorgt, nur um dann festzustellen, dass die einfache, 30 Jahre alte Stichsäge von meinem Vater sehr viel kürzeren Prozess mit dem Holz macht. Wieder ein Werkzeug mehr für die Sammlung. Wieder eine Erfahrung reicher und ein paar Euro ärmer. 

Nachdem der Rohling seine Form erhalten hat, geht es weiter mit dem Leinenstoff. 

Hierfür habe ich schweren Leinenstoff aus Flachsleinen verwendet. Zwei Lagen vorne, eine Lage hinten. Zugegeben sind die zwei Lagen vorne vielleicht etwas übertrieben. Nach zwei Jahren als Murmillo fällt auf, dass eine Lage ausgereicht hätte. Vielleicht hätte es eine Lage Canvas-Leinen vorne schon getan. Damit wäre der Schild um einiges leichter geworden.

Nichtsdestotrotz. Gestartet wird mit einer Lage vorne. Die Kanten werden ca. 5cm länger gelassen und dann um den Rand umgeschlagen und auch dort wieder verleimt. Das selbe dann von hinten und ein zweites Mal von vorne. Das Sorgt dafür, dass die ersten 3-4cm rundherum mit insgesamt sechs Lagen Leinenstoff und Leim verstärkt sind. 

Auch hier gibt es einiges an Erfahrungswerten, die mitgenommen werden können. der Leim muss ORDENTLICH in das Leinen eingearbeitet werden. Am besten mit feuchten Händen, noch besser mit einer Sprühflasche voll Wasser und einer gleichmässigen benetzung des Leinens auf dem Leim. Erst wenn die Oberfläche ein homogener mix aus Stoff und Leim ist, sollte man den Leim abbinden lassen. Ob hierauf eine zweite Lage Leinen Sinn macht bleibt jedem selbst herauszufinden.

Nachdem die Stoffbespannung abgeschlossen war, wurden noch knapp 200 Löcher an der Kante entlang gebohrt, damit dort später das Rohleder hindurchgenäht werden kann.

Endlich einmal etwas ohne Leim.

Dafür mit Farbe. 

Für das erste Design habe ich mich für eine ganz einfache kombination aus blau und Orange entschieden. In den Farben ganz nah am Eisvogel. 

Nachdem die Farbe endlich getrocknet ist, kann das Rohleder aufgenäht werden. Die Löcher sind bereits gebohrt, also wird in diesem Schritt kein Krach mehr gemacht. Super Arbeit für einen langsamen Sonntag.

Das Rohleder wird für ein paar Stunden in Wasser ziehen lassen, damit es weich und formbar wird. In diesem Zustand wird es über den Rand gefaltet und für den Anfang mit einer Klemme fixiert. Mit einer Stehahle werden jetzt vorne und hinten an den Stellen der Bohrungen Löcher in das Leder gestossen und mit Kunstsehne vernäht. 

Dieser Schritt ist mit weitem Abstand der zeitaufwändigste. Vor allem sind keine Pausen erlaubt, da das Leder sonst wieder austrocknet und nicht mehr gut zu verarbeiten ist. 

Aus einer 40x40mm grossen Buchenholzleiste wird der Griff gefertigt. Als erstes wird mit der Stichsäge die Kontur des Schildes aus dem Griffmaterial geschnitten. Dann wird er mit einer Raspel rundgearbeitet. 

Neuere Schilde stelle ich deutlich professioneller her. Mit der Bandsäge und Kantenfräse. Das macht diese Arbeit zwar etwas schneller, aber es fehlt ein bisschen der Charakter. 

Als letzter Schritt werden Schildbuckel, Schild und Griff miteinander vernietet. Hierzu habe ich 6mm dicke Stahlniete verwendet.

Beim Nieten des Griffes ist dieser leider eingerissen, konnte aber mit einer Leim-Sägestaub mixtur wieder repariert werden. Diese Reparatur hält schon zwei Jahre im Ludus aus, also befinde ich sie für gut und haltbar.